"Unter anderen Umständen“ im Kontext der #MeToo-Debatte?

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Die anstehende Ausstrahlung von Natalia Wörners Krimireihe „Unter anderen Umständen“ erscheint heute, mitten in der #MeToo-Debatte, in einem anderen Licht. Natalia Wörners Figur der Kommissarin Jana Winter hat von Beginn der Reihe an, ein besonderes Gespür für Schutzbedürftige, für Menschen, denen eine Stimme in der Gesellschaft fehlt. So geht es ihr auch in dem neuen Fall „Das Geheimnis der Schwestern“, in welchem nicht nur eine junge Prostituierte zu Tode kommt, sondern auch eine gestandene Familienmutter aus ganz eigenen existenziellen Ängsten in ein System aus sexueller Unterdrückung und Machtausübung gerät. Der Film thematisiert ungewollt damit alle Elemente, die trauriger Weise zu einer thematischen Debatte wurden, nämlich Zwänge, Abhängigkeiten, Sexualität, Macht und Gewalt.

Natalia Wörner sagt: „Ich mag an dem Film, dass das Thema sexueller Machtmissbrauch in einem ganz normalen bürgerlichen Milieu erzählt wird, denn das Thema gehört eben nicht nur klischeehaft in die Glamourwelt, sondern findet in jeder gesellschaftlichen und jeder beruflichen Schicht statt. Und wir erzählen eben auch, welche menschlichen Tragödien damit verbunden sind und welche existentiellen Katastrophen dadurch ausgelöst werden können. Die Struktur und Machtverdichtungen in unserer Gesellschaft sind im Umbruch. Sexuelle Gewalt und Brutalität gegen Frauen und ein kollektives Schweigen werden nicht mehr hingenommen nach diesem gesellschaftlichen Aufbäumen. Wir können alle dankbar sein, dass diese wichtige Debatte nicht an Intensität und Differenzierung verloren hat, im Gegenteil. Ich wünsche mir von den Frauen einen ehrlichen, selbstkritischen Blick und von den Männern eine tief empfundene Solidarität. Es macht mich allerdings auch wütend, wie unser Metier, unsere Branche in vulgärsten Verruf gebracht wird. Und im gleichen Atemzug frage ich mich: Wo sind denn die Politikerinnen, die Anwältinnen, die Sportlerinnen - alle die, die in vergleichbaren Macht- und Hierarchie-Strukturen arbeiten und Karriere machen wollen? Wo sind deren Stimmen und Geschichten?

Diese wichtige Debatte darf jetzt kein Nischenphänomen der Filmbranche werden. Das große Ziel ist doch ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe von Männern und Frauen, nicht nur in privaten Verbindungen und in der Liebe, sondern auch in allen beruflichen Zusammenhängen. Es geht nicht um eine Kultur des Ausgrenzens und der Verbote, sondern um einen gemeinsamen Weg von Frauen und Männern. Gleichberechtigung ist das Schlüsselwort zur Freiheit – für alle Beteiligten.“