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Schneewittchen liebt Rumpelstilzchen

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Wir haben's ja immer geahnt: gerade die schönsten Frauen sind ganz anders, als man denkt. Natalia Wörner macht`s im neuen "Bella Block" - Krimi vor.


[Text: Uta Tiedemann | Fotos: Joachim Gern

 

 So weiß wie Schnee. So rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz. Märchenhaft schön eben. "Ja, ja. Schneewittchen". Sagt Natalia Wörner (32), "so wurde ich schon als Kind oft genannt." Eigentlich wünscht sich ja jedes Mädchen, wie die Grimmsche Prinzessin auszusehen. Später, als Frau, merkt man dann, dass die schöne Hülle allein nicht reicht, dass sie auch einengend sein kann - wie ein Glasschrein. Vielleicht hat Natalia Wörner deshalb beschlossen, ihre Außenwirkung manchmal zu ignorieren.

Als die Schauspielerin zum Interview ins Hamburger Literaturhaus-Cafe kommt, scheint sie die vielen Blicke, die ihr folgen, nicht zu bemerken. Ganz locker schlendert sie zum Tisch, setzt sich und bestellt grünen Tee. "Ich habe seit Tagen ein flaues Gefühl im Magen". meint sie fast entschuldigend. Ein "vergifteter Apfel?" "Nein. nein", lacht sie. "Ich bin in letzter Zeit einfach zu viel gereist. Ich war monatelang für Dreharbeiten zur Neuverfilmung von Émile Zolas "Nana" in Rom und Paris unterwegs. Das hat meinen Bauch durcheinandergebracht."

Gibt's sonst noch Ähnlichkeiten mit der Grimmschen Figur? Nun, Natalia Wörner hatte zwar keine böse Stiefmutter. War aber ein Scheidungskind - worüber sie ungern spricht, weil das immer klingt, als wolle man Mitleid erregen. Behütet aufgewachsen ist sie trotzdem: in Stuttgart bei der Mutter, einer Lehrerin. Nach dem Abitur zog sie hinaus in die Welt: nach Paris, London und Hamburg. Erst als Model, dann als Schauspielerin.

Sie war in TV-Movies zu sehen - kürzlich in der ZDF-Komödie "Frauen lügen besser", und sie spielte in mehreren Kinofilmen - unter anderem 1993 in "Frauen sind was Wunderbares" und 1996 in "Irren ist männlich". Beide Male unter der Regie von Sherry Hormann, mit der sie gut befreundet ist. 
Hat sie die Karriere akribisch geplant? "Nein, ich bin ein Bauch-Mensch". sagt Natalia Wörner. "Kopfentscheidungen sind bei mir selten. Und waren selten gut." 

Auch die Frage des "Prinzen" hat sie so gelöst - ganz intuitiv und für sie selbst erst mal überraschend. Bei den Dreharbeiten zum Dominik-Graf-Film "Die Sieger" lernte sie 1993 Herbert Knaup kennen. Es funkte sofort. "Herbert und ich können uns gemeinsam weiterentwickeln, das ist die Basis für eine wirklich gute Beziehung." Ist er ihr Traummann? "Eigentlich finde ich vom Typus her dunkle Männer interessanter. Herbert ist blond. Aber schließlich zählen ja innere Werte. Humor und Fantasie sind mir ganz wichtig. Und davon hat Herbert reichlich." 

Seit sieben Jahren lebt sie mit dem Kollegen in einer Hamburger Altbauwohnung. Wünscht sie sich Kinder? "Kinder? Das schaffe ich auch noch in diesem Jahrtausend!" Natalia Wörner lacht.
Erst mal wünscht sie sich möglichst interessante Filmpartner: Tobias Moretti etwa. Oder Peter Lohmeyer. (Beide übrigens dunkelhaarig.) "Auf jeden Fall jemanden, mit dem ich noch nicht gearbeitet habe. Ralph Fiennes wäre mein Traum. Den finde ich total klasse." Der nächste Co-Star heißt allerdings - Herbert Knaup. 

Das Schauspielerpaar wagt nämlich ein Abenteuer: "Wir machen nach vielen, vielen Jahren wieder Theater mit dem Zweipersonenstück "Blue Room". Am 5. April ist in den Hamburger Kammerspielen Premiere. Davor habe ich ein bisschen Schiss. Aber es ist auch hoch spannend, weil Herbert und ich uns ganz neu kennen lernen." 

Neues ausprobieren, Abenteuer, Experimente, sich bewegen - das passt eher zum Temperament von Natalia Wörner. Bloß nicht hinter den sieben Bergen ausharren. "Ich möchte jetzt auch Drehbucherschreiben", verkündet sie. Am ersten Skript bastelt sie bereits, gemeinsam mit Regisseurin und Freundin Sherry Hormann. Ein "Liebesfilm fürs Kino" soll das Projekt werden: "Aber nicht so märchenhaft wie "Notting Hill", auch wenn es ein wunderbarer Film war. Wir wollen eine realistische Love-Story erzählen, in der die Gefühle nicht in eine komische Komödie eingemümmelt werden." Klar, wer die Hauptrolle spielen wird. "Genau das finde ich beim Schreiben eher schwierig. Aber Sherry und ich können wunderbar kreativ miteinander arbeiten. Frauen haben so und so mehr Humor. Sie sind raffinierter, auch beim Lügen. Und sie setzen ihre Erotik fantasievoller ein."

Die Idee zum Kinofilm kam den beiden Frauen im vergangenen Herbst, als sie gemeinsam den ZDF-Krimi "Bella Block - Blinde Liebe" drehten, der am 11. März laufen wird. "Ich spiele eine Krankenschwester, die ihrem Freund völlig hörig ist und ihre debile Schwester zur Prostitution zwingt", erzählt Natalia Wörner. An manchen Drehtagen war ihr richtig elend, so sehr hat ihr die Rolle zugesetzt. "Aber gerade weil diese Figur meilenweit von mir privat entfernt ist, hat sie mich unglaublich gereizt: eine billige Vorstadt-Tussi zu spielen..." Ein kurzer provozierender Blick aus den großen dunklen Augen. "Und wenn ich ganz ehrlich bin: Mein Lieblingsmärchen war auch nicht "Schneewittchen", sondern "Rumpelstilzchen"
Das hat mir immer schwer imponiert: diese Kraft, dieser kindliche Größenwahn."