STERN TV

"Anspruch verpflichtet"

Mit der Rolle in "Liebe unter Verdacht" festigt Natalia Wörner ihren Ruf als Qualitätsschauspielerin - und erweitert ihren eigenen "Farbkasten"

 

CHRISTIAN BARTELS, STERN TV-MAGAZIN 11/2002

 

Wörners Interesse an der jüdischen Kultur hat seither zugenommen. Anfang November hat sie für die jüdischen Kulturwochen in Berlin erstmals öffentlich gesungen, Lieder von Emigranten aus Nazi-Deutschland wie z.B. Mischa Spoliansky und Friedrich Hollaender. Abgenommen hat hingegen ihr Interesse, Kommissarinnen zu spielen. Was weniger an der Qualität der gegenwärtigen Krimi-Produktionen liege als am Gefühl, „als Gucker übersättigt zu sein“. Lieber will Wörner „etwas komplett anderes für meinen Farbkasten“ machen. So hat sie sich dem Singen zugewendet, für einen ARD-Zweiteiler eine Modedesignerin gespielt und eine Liebesgeschichte unter Frauen fürs ZDF abgedreht.

Ob dieser „Farbkasten“ ihr Lebenswerk ist? „Das , als ob ich 50 sei“, sagt die 35-Jährige.Das Werk, das den Allerweltstitel „Liebe unter Verdacht“ trägt, ist etwas Besonderes, auch wenn die Story zunächst gewöhnlich klingt: Wörner spielt eine Kommissarin und verliebt sich in den Sohn (Max Tidof) eines Mordopfers. Ungewöhnlich ist jedoch das Milieu: die jüdische Gemeinde Berlins. Gedreht wurde Ende 2001 u.a. in einer echten Synagoge am Prenzlauer Berg, die rund um die Uhr bewacht wurde. „Der 11.September war da ganz extrem ein Thema“, erzählt Wörner. Und die Frage, ob man sich an einen Stoff wagen sollte, der am Ende auch die Shoah zum Element des Krimi-Plots macht. Es habe im Vorfeld Angst gegeben, dass die Geschichte als antisemitisch empfunden werden könnte. „Aber es ist uns gelungen, würdig mit dem Thema umzugehen“, findet sie.

Für den Deutschen Fernsehpreis wird dieser Auftritt Natalia Wörners wohl nicht nominiert werden. Denn an den Nominierungen wirkt die Schauspielerin persönlich mit. Seit zwei Jahren, nachdem sie selbst für "Bella Block: Blinde Liebe" und die Komödie „Frauen lügen besser“ prämiert wurde, gehört sie der Jury an. Seither sichtet sie Hunderte von Filmen, um den Überblick über das aktuelle Fernsehschaffen zu behalten. Verpflichtet so eine Jury-Mitgliedschaft dazu, auch selbst nur Qualitätsfernsehen zu machen? „Natürlich, aber unabhängig davon will ich mich in der Rollenauswahl so oder so nicht wiederholen“, sagt die gebürtige Stuttgarterin.