Hörzu

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Verliebt in Texas

Unbeschwert, wunderschön: Natalia Wörner überzeugt als Frau, die um ihr Glück kämpft. Kein Wunder – sie fand beim Dreh selbst die Liebe

 Ulrike Scherwinski

 

Kommt eine Frau ins stockkonservative Texas, glaubt, sie weiß ganz genau, wie alles da abläuft – und tritt nicht nur von einem Fettnäpfchen ins andere, sondern dem Platzhirsch der Ranch kräftig auf die


Das Drehbuch wurde wahr

Die Wirklichkeit heißt Robert Seeliger, sieht unverschämt gut aus und strahlt genau den Macho-Charme aus, der Frauen zur Weißglut treibt und ihnen gleichzeitig den Verstand raubt. Während er in der Rolle des Cowboys Greg das Herz der widerspenstigen Katharina eroberte, gewann der Kanadier das von Natalia Wörner gleich mit. Das Drehbuch wurde wahr.Aber angefangen hat die Geschichte schon viel früher – mit der Autorin Claudia Kratochvil, die ihre eigene Romanze zu Papier brachte. Die Journalistin aus Deutschland verliebte sich während ihres Urlaubs auf einer texanischen Ranch in einen Kuhhirten und schrieb sich die Höhen und Tiefen der turbulenten Beziehung zweier Menschen aus ganz verschiedenen Welten von der Seele. SAT.1 verfilmte das Buch mit Natalia Wörner.Alles weitere kam, wie es kommen mußte. 

Daß aus den beiden Schauspielern ein Liebespaar wurde, ist nur eine der vielen Übereinstimmungen von Realität und Fiktion bei dieser Produktion. „Obwohl der Film ja eigens für mich entwickelt wurde, stellte sich erst im Laufe der Arbeit heraus, daß diese Geschichte noch viel mehr mit mir zu tun hat als geahnt“, sagt Natalia Wörner.Wie die Katharina im Film, die der Liebe wegen Beruf, Wohnung und Heimat aufgibt, ist sie eine Frau, die ihren Gefühlen vertraut. „Diese Art von Mut, mit dem Leben und den eigenen Wünschen umzugehen, fand ich schön. Auch als Botschaft gerade für junge Zuschauerinnen: zu sich zu stehen, statt auf Sicherheiten zu schielen, die es eh nicht mehr gibt.“ Ebensowenig wie die Garantie für ein Happy-End. „Aber Katharina kämpft um ihre Liebe – gegen alle Widerstände. Das würde ich auch.“ Die Rührung ist unüberhörbar in Natalia Wörners Stimme. „Einerseits schildert der Film den Mädchentraum von Pferd, Mann, Natur. Aber er erzählt auch eine moderne Liebesgeschichte. Da sind zwei, die zusammengehören, aber nicht wirklich zueinander passen.Trotzdem müssen sie zusammensein. Schön!“

Eine Zukunft zwischen zwei Welten

Füße. Wir ahnen schon: Bald knistert es heftig zwischen dem Cowboy und der Lady. Das pure Klischee – und eine Traumrolle für Natalia Wörner. Daß sie geradezu eine Liebe zu der Figur der Katharina im SAT.1-Zweiteiler „Miss Texas“ entwickelte, dafür gibt es persönliche Gründe. Die haben zwar viel mit dem Film zu tun – aber eben noch mehr mit der Realität.

Ob ihre eigene Beziehung Bestand haben wird, muß sich erweisen. Natalia Wörner empfindet es fast als Ironie, daß sie selbst plötzlich vor ganz ähnlichen Problemen steht wie Katharina im Film. Sie muß herausfinden, ob sie in Kanada, der Heimat ihrer neuen Liebe, leben kann und will. Was bedeutet das für ihre Arbeit,ihre schauspielerische Identität? Sie will es auf sich zukommen lassen, offen sein für Kompromisse: „Ich plane nicht über den Kopf, wie ich mich verhalte. Und ich werde mit Sicherheit keine Brücken abreißen.“ 

Natalia Wörner und ihr Freund gehörten Weihnachten in Thailand zu den Überlebenden der Tsunami-Katastrophe. Es war ein knappes Entrinnen. Solche Erlebnisse verändern die Sicht auf das Leben. „Im vergangenen Dreivierteljahr ist unheimlich viel passiert. Ich hatte noch gar nicht die Zeit, durchzuatmen und über alles nachzudenken. Vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Es ist, wie es ist – und es ist wunderbar.“