STERN

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Berlin, Texas

Schwielen am Hintern und ein blutendes Herz: Im Zweiteiler „Miss Texas“ erlebt NATALIA WÖRNER Höhen und Tiefen einer deutsch-amerikanischen Freundschaft


Martina Kalweit

Alles begann mit einem Nein. „Ich hab mich einfach nicht getraut“, gibt Claudia Kratochvil lachend zu. Vor ein paar Jahren lehnte die ehemalige Spiegel-TV-Redakteurin den Heiratsantrag eines texanischen Cowboys ab. Bis über beide Ohren unglücklich verliebt, kehrte sie nach Deutschland zurück, heulte sich die Augen aus… und schrieb sich den Kummer von der Seele. 

Etwa zur gleichen Zeit suchte man bei Sat.1 händeringend nach Alternativen zu Krimi, Action und pubertärem Sex. „Frauenaffin“ nennt man in Fachkreisen die schwierige Mischung aus Herz und Hintersinn, die allzu schnell zur Superweib-Klamotte verkommt. Als Claudia Kratochvil davon erfährt, kramt sie ihre Notizen hervor und lässt der Fantasie freien Lauf. Das Tagebuch einer Unentschlossenen wandelt sich zu dem Roman „Kiss me, Kat“ und zur Vorlage der TVFiktion „Miss Texas“.

Schwieriger war die Suche nach dem männlichen Part. „Es wäre gemein zu verraten, welche deutschen Schauspieler wir in den Castings aufs Pferd gesetzt haben“, sagt Kratochvil. Und macht den Kandidaten im Nachhinein ein großes Kompliment: „Sie waren alle reizend, aber auch intelligent genug zu wissen, dass sie nicht als texanischer Cowboy durchgehen.“ 

Nicht nur weil ihm der Stetson ausgezeichnet stand, fiel die Wahl mit Robert Seeliger auf den Richtigen. Natalia Wörner fand den kanadischen Schauspieler mit deutschen Wurzeln beim ersten Hinsehen zwar „viel zu schön“ , aber seit den Dreharbeiten ist er auch privat der neue Mann an ihrer Seite.

Wörners ehrliche Begeisterung für den Film hat aber nicht allein mit ihm zu tun: „Ich liebe es, komisch zu sein, und ich liebe den Charme dieser Geschichte. Die Ausritte, die Raufereien und die Blicke,mit denen Katharina diesem Obercowboy Greg O’Neil zu verstehen gibt, was für ein Arschloch er ist.“

Im Gespräch erklärt Natalia Wörner auch, worin sich „Miss Texas“ von einer tausendmal erzählten Was-sich-liebt-dasneckt-sich-Story unterscheidet: „Dem Team war immer klar, dass man die Realität
von Texas miterzählen will. Es geht nicht einfach nur um eine Frau,die sich in einen Typen verliebt, der ihrem Männerbild nicht entspricht. Es geht um einen Menschen, der sich auf eine kulturelle Reise begibt. Dabei geraten Katharina und Greg miteinander an die Grenzen ihrer jeweils eigenen Welt. Am Ende ist die Liebe größer als die Vernunft, die Zukunft aber bleibt offen.“

Was man beim Fernsehen so unter offen versteht. Spätestens wenn das Paar hoch zu Ross dem Sonnenuntergang entgegenreitet, bedient sich auch „Miss Texas“ einer Wildwest-Romantik, bei der auch der sprödeste Zuschauer ahnt, was die Stunde geschlagen hat. Trotz der Zugeständnisse an den Marlboro-Mann in uns allen (auch Frauen) hält der Gegensatz zwischen komischen Momenten und schwelender Trauer „Miss Texas“ auf Trab. Dazu gibt es wunderschön staubige Bilder (gedreht wurde aus Kostengründen nicht in Texas, sondern in Kanada) und differenzierte Figuren, die Katharinas Konflikt zwischen der beruflichen Karriere in Berlin und einer Liebe am Ende der Welt die nötige Tiefe verleihen. Susanna Simon überzeugt als Katharinas Freundin Lily, die Gleiches durchmacht und fast daran zerbricht, Martin Lindow verkörpert ihren Ex-Freund als erwachsenen Mann, der sich – konsequenter als sie – der unbequemen Wahrheit stellt.

„Die letzten Monate meines Lebens waren schon sehr intensiv“, sagt Natalia Wörner und meint damit nicht die Arbeit an diesem Film, sondern das, wonach sie zurzeit dauernd gefragt wird. Dabei geht es nicht um ein neues Traumpaar hinter deutschen Fernsehkulissen, sondern um einen Schicksalsschlag, der beider Leben nach dem Dreh zu „Miss Texas“ einholte. Gemeinsam mit Robert Seeliger überlebte
Natalia Wörner die Tsunami-Katastrophe in Thailand und half Verletzte bergen. Begriffe wie Zufall und Schicksal haben seither eine neue Bedeutung für sie gewonnen. Sie spricht nur zögernd über die Erlebnisse in Südostasien. Die krasse Realität dort, ein Film zur gemütlichen Unterhaltung vor dem Fernseher hier, das geht irgendwie nicht zusammen. 

Inzwischen haben Seeliger und sie einen Verein zur Unterstützung der Flutopfer gegründet (www.tsunami-direkthilfe.de). Und während Wörner im Februar neben Heiner Lauterbach ausgerechnet für „Die Sturmflut“ vor der Kamera stand, reiste er ein zweites Mal in das Gebiet, um sich vor Ort über das Vorankommen der Hilfsaktionen zu informieren.

Aktuell stehen nun die Dreharbeiten zu einem ZDF-Zweiteiler auf dem Terminplan. In Hamburg und Argentinien spielen Wörner und Seeliger wieder gemeinsam. Das Projekt trägt den Arbeitstitel „Durch Himmel und Hölle“. Den Trip hatten sie doch eigentlich schon hinter sich.