THE BLUE ROOM

Der britische Regisseur und Autor Hare, 52, hatte auf Anregung seines Kollegen Sam Mendes (des für "American Beauty" frisch gekürten Oscar-Preisträgers) Arthur Schnitzlers "Reigen", diese bitterböse Abrechnung mit der Liebesbestie Mensch, an die Unterhaltungsbedürfnisse des modernen Publikums angepasst. In London und noch mehr in New York entfachte Mendes' Inszenierung von "The Blue Room" ein mediales Peepshow-Fieber: In beiden Städten war die Hollywood-Beauty Nicole Kidman für fünf Sekunden nackt zu sehen, eine Karte für die Broadway-Premiere deshalb so begehrt wie eine Hightech-Aktie.

Nackte Haut ist auch im Hamburger "Blue Room" zu sehen, aber von Sinnen-Fieber keine Spur. Natalia Wörner und Herbert Knaup tollen liebenswert und voller Unschuld durch Schnitzlers entschärften Liebesreigen. Ob sie als Hure, als das Slawen-R rollende Au-pair-Mädchen, als schwäbelnde Prominentengattin, drogensüchtiges Modell oder Schauspielerzicke, ob er als Taxi-Macho, Studentenklemmi, Politikpharisäer, aufgeblasener Dichter oder Aristokrat - es ist Erotik light, was da über die Rampe kommt: ein Trieble, ein Lasterle, ein Fehltrittle.

 

 

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